Wissen schafft Heilung

 

    Klinik und Poliklinik für
    Hals-, Nasen- und Ohren-
    heilkunde der TU München

 

Univ.-Prof. Dr. A. Knopf

Ismaninger Str. 22

81675 München

+49 (0)89 4140-2390

Angioödem

Am Klinikum rechts der Isar bieten wir in der Hals-Nasen-Ohrenklinik für Patienten mit Angioödemen (wiederkehrende Schwellungsreaktionen) und unklaren Schwellungen im Kopf-Hals-Bereich eine Spezialsprechstunde an. Das Ziel dieser Angioödem-Sprechstunde ist die Diagnostik und Behandlung dieses speziellen Patientenguts, insbesondere bei Vorliegen eines hereditären Angioödems (HAE) Typ I, II und III.

 

Was ist ein Angioödem?

Bei einem Angioödem handelt es sich um eine zumeist nicht-allergische Schwellung der Unterhaut. Bei Manifestation im Kopf-Hals-Bereich kann dies zu einer lebensbedrohlichen Verlegung der oberen Atemwege führen. Angioödeme werden hauptsächlich durch das Gewebshormon Bradykinin ausgelöst, das neben einer Weitstellung der Gefäße auch die Gefäßdurchlässigkeit für Blutbestandteile erhöht.

 

Was ist das HAE?

Beim hereditären Angioödem (HAE) liegt ein Mangel an funktionstüchtigem C1-Esterase-Inhibitor vor. Aus dieser Enzymstörung resultiert ein gestörter Abbau von Bradykinin, weshalb dessen Konzentration ansteigt. Die Zahl der betroffenen Patienten in Deutschland wird auf etwa 5000 geschätzt.

 

ACE-Hemmer-induziertes Angioödem

ACE-Hemmer (ein Blutdruck-Medikament) vermindern den Bradykininabbau. Der hohe Bradykininspiegel kann im Laufe der Behandlung zur Entwicklung von Angioödemen führen. In Deutschland treten jährlich etwa 20.000 bis 30.000 durch ACE-Hemmer induzierte Angioödeme auf. Da es im Schnitt drei Jahre bis zur Erstmanifestation eines Angioödems unter der Therapie mit ACE-Hemmern dauern kann, werden diese Angioödeme oft nicht erkannt. Besonders brisant hierbei ist die Tatsache, dass sich diese Angioödeme nahezu immer in der Kopf-Hals-Region ausprägen.

 

Erworbene Angioödeme

Das erworbene Angioödem (AAE) kommt selten vor. Verantwortlich für das AAE sind zum Beispiel Erkrankungen des blutbildenden Systems. Auch hier kann der C1-INH Spiegel niedrig sein, teils durch Verbrauch, teils durch Autoantikörper.

 

Angioödem-Trigger

  • Entzündungen, Verletzungen, Operationen 
  • Invasive Untersuchungen (Endoskopie) 
  • Zahndurchbruch bei Kindern 
  • Stress, Regelblutungen, Wechseljahre 
  • Einnahme von Östrogen 
  • Alkohol 
  • ACE-Hemmer, AT1-Blocker (Sartane) 

 

Diagnostik

  • Genanalysen 
  • Ausschluss immunologischer Störungen 
  • Identifizierung auslösender Faktoren (Triggermechanismen) 

 

Behandlung von Angioödemen

  • Intravenös mit C1-Inibitorkonzentraten (Berinert P®) 
  • Subkutan mit dem Bradykinin-Rezeptorblocker Icatibant (Firazyr®) 

Die Auswahl der geeigneten Medikation bedarf zuvor einer ausführlichen Beratung. 

Wichtig für den Notfall ist zu beachten, dass antiallergische Medikamente wie Antihistaminika und Cortison bei diesen Bradykinin-vermittelten Angioödemen nicht wirken.

 

Betreuung und Beratung von Patienten mit...

  • Hereditären Angioödemen (HAE) 
  • Erworbenen Angioödemen (AAE) 
  • Medikamente-induzierten Angioödemenn 

          ACE-Hemmer induzierte Angioödemen 

          Pseudoallergische Angioödeme 

  • Unklaren (idiopathischen) Angioödemen 

 

Hinweise für Patienten

  • Bitte bringen Sie sämtliche relevanten Krankenunterlagen mit.
  • Bitte listen Sie Ihre bisherigne Medikamente auf.
  • Falls Sie Fotos von Ihren eigenen Angioödem-Manifestationen in der Vergangenheit gemacht haben, bringen Sie diese gerne mit.
  • Bitte bringen Sie Ihren sogenannten „Schwellungskalender“ mit, falls Sie bereits einen haben.

 

Flyer AÖ-Sprechstunde 2018.pdf

 

Sektionsteam

Dr. med. U. Straßen (Sektionsleitung)

Fr. Dr. med. M. Wirth

F. Johnson