Hörzentrum München

 

      Prof. Dr. med. H. P.

      Niedermeyer

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Hörstörungen

An jeder Stelle des Hörapparates kann eine Veränderung in der normalen Form oder Funktion zu einer Hörstörung führen. Grob kann man die Hörstörungen in Schallleitungs- und Schallempfindungsstörungen einteilen.

 

Schallleitungsschwerhörigkeit

Davon spricht man, wenn der Schall nicht regelrecht über Ohrmuschel, Gehörgang, Trommelfell und Gehörknöchelchen zum Innenohr weitergeleitet wird. Dies lässt sich einfach mit einem verstopften Gehörgang simulieren. Zum Beispiel kann ein Defekt am Trommelfell oder eine Unterbrechung oder Versteifung der Gehörknöchelchenkette zu einer Schallleitungsstörung führen. Auch ein sogenannter Paukenerguss, eine Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr, dämpft die Schallübertragung. Unterschiedliche Erkrankungen können diese Probleme verursachen, darunter akute oder chronische Entzündungen, eine Otosklerose (Steigbügelfixierung), Verletzungen, starke Druckwellen (wie beim Explosionstrauma), angeborene Fehlbildungen von Gehörgang und Gehörknöchelchenkette oder Tumoren des Mittelohres. In vielen Fällen kommt eine Operation zur Behandlung dieser Erkrankungen in Frage. Das Ziel einer ohrchirurgischen Behandlung ist in erster Linie immer die Beseitigung der Pathologie und in zweiter Linie die Wiederherstellung oder Verbesserung des Gehörs, indem eine möglichst ungehinderte Schallleitung rekonstruiert wird. Mitunter kann sich der chirurgische Aufwand, eine normale Schallleitung herzustellen, aber als unverhältnismäßig, zu schwierig oder unmöglich darstellen, wie z.B. bei angeborenem Fehlen von Ohrmuschel, Gehörgang und Mittelohr, oder wie bei vielfachen vorangegangenen erfolglosen Operationen. Dann kann ein Hörimplantat helfen, das alle Schallleitungsstrukturen einfach übergeht und direkt das Innenohr reizt.

 

Schallempfindungsschwerhörigkeit

Wenn die Reizwahrnehmung im Sinnesorgan Hörschnecke oder die Reizweiterleitung von Hörnerv bis Gehirn beeinträchtigt ist, liegt eine Schallempfindungsschwerhörigkeit vor. Störungen der Hörschnecke, also der Innenohrfunktion, sind unter anderem der akute Hörsturz oder die Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis). Darüber hinaus kann eine chronische Lärmschwerhörigkeit oder toxische Störung wie bei einigen Entzündungen oder auf bestimmte Medikamente eine Innenohrschwerhörigkeit bedingen. In alle diesen Erkrankungen ist jeweils die Form und Funktion der Haarzellen im Innenohr beeinträchtigt. Die Behandlung dieser Erkrankungen ist wiederum seltener eine chirurgische. Falls eine Entzündung vorliegt, gilt es natürlich, diese zu beseitigen. Ansonsten kommt in manchen akuten Fällen eine Infusionstherapie mit z.B. Cortison in Frage. Für chronische Erkrankungen, wenn also Form und Funktion der Haarzellen gestört ist, gibt es gegenwärtig keine anerkannte Therapie zur Wiederherstellung der Haarzellfunktion. Es bleibt also nur die Option von Hörhilfen. Dazu gehören das konventionelle Hörgerät, aber auch Hörimplantate wie manchmal ein Mittelohrimplantat oder, bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder Taubheit, ein Cochlea-Implantat. Schallempfindungsschwerhörigkeiten, die durch Störungen von Hörnerv oder Gehirn verursacht werden, sind sehr selten. Davon am häufigsten sind noch gutartige Tumoren der umhüllenden Zellen des Hörnerven, die sogenannten Vestibularisschwannome oder Akustikusneurinome. Diese wiederum sind entweder operativ oder per Strahlentherapie zu behandeln.