Mittelohrchirurgie

In der HNO-Klinik am Klinikum rechts der Isar werden alle gängigen Ohroperationen durchgeführt. Auf den folgenden Seiten informieren wir Sie über die Funktionsweise unseres Gehörs, Hörstörungen im Allgemeinen und einzelne Ohroperationen. Wenn bei Ihnen bereits eine operativ zu behandelnde Ohrerkrankung festgestellt wurde, vereinbaren Sie gerne eine Vorstellung in unserer Termin-Sprechstunde.

Ohroperationen

Fast alle Ohroperationen können sowohl in Vollnarkose als auch in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Aus Komfortgründen wählt heute ein überwiegender Teil unserer Patienten die Vollnarkose. Meistens ist ein Aufenthalt von drei bis vier Tagen notwendig.

Der Zugang zum Mittelohr erfolgt entweder durch den Gehörgang (endaural) oder über einen Schnitt hinter dem Ohr (retroaurikulär). Auf diesem Weg gelangt der Chirurg unter der Gehörgangshaut hinter das Trommelfell und damit zum Mittelohr. Die zur Naht notwendigen Fäden werden nach einer Woche gezogen (dies kann auf Patientenwunsch auch der Hausarzt oder niedergelassene HNO-Arzt erledigen). Bei Mittelohreingriffen wird in der Regel eine Tamponade aus feinen Gel-Schwämmchen in den Gehörgang eingebracht, um dem Trommelfell eine sichere Abheilung zu ermöglichen. Eine solche Tamponade wird in der Regel zwei bis drei Wochen nach dem Eingriff im Rahmen einer Kontrolluntersuchung entfernt.

Ein Hauptziel von Ohroperationen besteht darin, das Ohr von Entzündungsherden oder – in seltenen Fällen – von Tumoren zu befreien. Ein weiterer wichtiger Grund für eine Operation ist das Hören zu verbessern. Die meisten Eingriffe am Ohr kann man als Tympanoplastik bezeichen. Das griechische Wort tympanon bedeutet „Pauke“ und ist damit ein Synonym für das Mittelohr. Mit der Nachsilbe -plastik wird verdeutlicht, dass eine wiederherstellende Prozedur durchgeführt werden soll. Das beeinhaltet den Verschluss von Löchern im Trommelfell genauso wie die Rekonstruktion von Defekten an der Gehörknöchelchenkette. Im weiteren Sinne können auch sanierende Mittelohroperationen beim Cholesteatom (früher auch als „Knocheneiterung“ bezeichnet) dazu gezählt werden. Ganz besonders steht beim Cholesteatom im Vordergrund, das Ohr von Entzündungsherden zu befreien, denn das Cholesteatom (oder auch „Perlchengeschwulst“ genannt) ist eine aggressive Ohrentzündung, die unbehandelt sukzessive alle knöchernen Strukturen in ihrer Umgebung zerstört. Ein Cholesteatom muss chirurgisch entfernt, d.h. befallene Knochenstrukturen mit dem Bohrer abgeschliffen werden. Nach einem ausgedehnten sanierenden Eingriff kann es sein, dass die Rekonstruktion der Hörfähigkeit hinten anstehen muss, bis die Mittelohrstrukturen abgeheilt sind. Eine zweite hörverbessernde Operation erfolgt dann nach ca. einem Jahr. Jeder hörverbessernde Mittelohreingriff zielt darauf ab, die Schallleitungsschwerhörigkeit zu verbessern, indem die Übertragung von Trommelfell und Gehörknöchelchenkette optimiert wird. Um die Kettenübertragung zu verbessern, wird manchmal körpereigenes Material, z.B. kleine Knorpelstückchen, eingebracht, damit die Kette wieder passend ineinander greift. Darüber hinaus gibt es verschiedene Prothesen (z.B. aus Titan), welche die Gehörknöchelchenkette ganz oder teilweise ersetzen können.

Ein weiterer häufiger Mittelohreingriff ist die Stapesplastik, bei der das Steigbügelknöchelchen ersetzt wird. Diese Operation kommt bei der Diagnose einer Otosklerose in Betracht. Im Falle der Otosklerose tritt eine fortschreitende Verknöcherung der Verankerung des Steigbügels in seiner Verbindung zum Innenohr auf. Die Folge ist zunächst eine zunehmende Schallleitungsschwerhörigkeit, im späteren Stadium möglicherweise auch kombinierte Schwerhörigkeit. Bei der Stapesplastik wird in der Regel ein Loch in der verknöcherten Fußplatte des Steigbügels gebohrt und dort eine Steigbügel-Prothese eingebracht.

Mögliche Komplikationen:
Unsere Chirurgen sind mit den Strukturen und Nachbarstrukturen des Ohres bestens vertraut. Dennoch können wie bei jedem Eingriff bei einer Ohroperation auch Komplikationen auftreten. Wir erläutern Ihnen die Risiken und ihre Wahrscheinlichkeiten im Rahmen der Aufklärung vor dem Eingriff.

Ansprechpartner

Univ.-Prof. Dr. med. Barbara Wollenberg

Direktorin

Prof. Dr. med.
Hans-Peter Niedermeyer

Leiter Hörzentrum

PD Dr. med.
Markus Wirth