Pädaudiologie

In unserer Kindersprechstunde bieten wir alle notwendigen Untersuchungen zur frühzeitigen Erfassung und Behandlung von kindlichen Hör- sowie Sprachentwicklungsstörungen in einem kindgerechten Umfeld an.

Ein regelrechtes Hörvermögen ist eine wesentliche Voraussetzung für eine altersentsprechende sprachliche und allgemeine Entwicklung. Im Jahr 2009 wurde das universelle Neugeborenen Hörscreening eingeführt, um Hörstörungen möglichst frühzeitig zu erkennen und behandeln zu können. In den ersten Lebenstagen wird das Hörvermögen am schlafenden Kind ohne jegliche Belastung für Kind und Mutter geprüft.

Sollte sich bei Ihrem Kind der Verdacht auf eine Hörminderung ergeben, muss die Konfirmationsdiagnostik durchgeführt werden. Bei dieser werden nach einem einleitenden Gespräch eine HNO-ärztliche Untersuchung des Kindes und altersgerechte Hörtests meist im Spontanschlaf durchgeführt.

Vermuten Sie bei Ihrem Kind einen Rückstand der Sprachentwicklung, wird an die HNO-Untersuchungen und die Hörtests eine Sprachuntersuchung (logopädische Diagnostik) angeschlossen. Diese Untersuchungen nehmen ca. zwei Stunden in Anspruch. Treten bei Ihrem Kind nach der Einschulung oder während der ersten Grundschulklassen nicht erklärbare Leistungsschwankungen oder -schwächen auf, kann dies auf eine auditive Verarbeitung und Wahrnehmungsstörung (AVWS) zurückzuführen sein.

In diesem Fall umfassen die Untersuchungen ausführliche Hörtests und eine logopädische Überprüfung der Sprachverarbeitung, sie dauern ca. zweieinhalb Stunden. Da die AVWS wegen eines unterschiedlichen Therapieansatzes von einer Legasthenie (LRS) oder einer Aufmerksamkeitsstörung (ADS/ADHS) abgegrenzt werden sollte, empfehlen wir vorab den Ausschluss einer ADS/ADHS durch den Kinder- und Jugendpsychiater sowie einer LRS-Testung durch den Kinderpsychologen. Am Ende der Untersuchungen werden die erhobenen Befunde ausführlich mit Ihnen besprochen, in Kopie mitgegeben und gegebenenfalls Anschlusstermine vereinbart. Der zuweisende Arzt und Sie erhalten einen ausführlichen zusammenfassenden Brief per Post.

Die Mitarbeiter des Hörzentrums führen bereits seit Jahrzehnten das universelle Neugeborenenhörscreening auf der Neugeborenenstation des Klinikums rechts der Isar durch. Auch für auswärts entbundene Kinder bieten wir eine zeitnahe Erst- und Kontrolldiagnostik sowie, wenn nötig, die darauf folgende Konfirmationsdiagnostik einschließlich eventuell notwendiger weiterer Therapiemaßnahmen an.

Ein bis zwei Neugeborene von 1000 leiden an einer behandlungsbedürftigen Hörstörung. Studien belegen, dass diese in der Vergangenheit durchschnittlich erst im Alter von 36 Lebensmonaten diagnostiziert wurden, zumeist nachdem die Kinder durch eine Sprachentwicklungsverzögerung auffällig wurden. Viele Geburtskliniken in Deutschland führten bereits früher das universelle Neugeborenen Hörscreening durch, allerdings stellte sich als Problem die konsequente Nachverfolgung (Tracking) eines auffälligen Befundes dar. Nach Beschluss des gemeinsamen Bundesausschusses zur Einführung eines universellen Neugeborenen Hörscreenings koordiniert seit 2009 in Bayern das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) unter Nutzung der bereits im Neugeborenenstoffwechsel-Screening bewährten Strukturen das Tracking. Beim universellen Neugeborenenhörscreening wird meist innerhalb der ersten drei Lebenstage ohne Belästigung für Kind oder Mutter die Innenohrfunktion über Nachweis der OAE gemessen. 

Eine automatische Hirnstammaudiometrie wird bei einem auffälligen Befund zur Kontrolle und als Erstuntersuchung bei Risikokindern (u.a. familiäre Hörstörung, Sauerstoffmangel, ausgeprägte neugeborenen Gelbsucht) eingesetzt.

Bei weiter auffälligem Befund muss bis zum dritten Lebensmonat die Konfirmationsdiagnostik erfolgen, die gegebenenfalls notwendige Hörgeräteversorgung bis zum sechsten Lebensmonat. Verantwortlich für die Durchführung des universellen Neugeborenenhörscreenings ist der entbindende Arzt bzw. die Hebamme. 

Hörtest: es lassen sich zwei verschiedene Arten von Hörtests unterscheiden: einerseits die subjektiven Testverfahren, die die Mitarbeit des Untersuchten erfordern, andererseits die objektiven Verfahren, die ohne Mitarbeit des Untersuchten möglich sind. Die subjektiven Testverfahren sind die Tonschwellenaudiometrie sowie die Sprachaudiometrie, die objektiven Verfahren die Messung der Trommelfellbeweglichkeit (Tympanometrie), der Reflexe eines Mittelohrmuskels (Stapediusreflex), der Funktion der äußeren Haarzellen (Schweiz) und der Hirnstammpotenziale (BERA, AEP).

Hinweise

Da die Untersuchungen zum Teil sehr aufwendig sind, bitten wir Sie, ausreichend Zeit mitzubringen. Wartezeiten sind trotz Terminvereinbarung leider nicht immer zu vermeiden, da die Mitarbeit der Kinder nicht vorhersehbar ist. Falls Sie aus zeitlichen Gründen Hör- und Sprachuntersuchungen nicht an einem Tag durchführen lassen wollen, kann dies auch an unterschiedlichen Tagen geschehen. Bitte bringen Sie die Ihnen vorliegenden Befunde, das gelbe Untersuchungsheft sowie eine Überweisung und die Versichertenkarte zum Termin mit.

Die pädaudiologische Sprechstunde findet ausschließlich nach Terminvereinbarung
im Hörzentrum München in der Ismaninger Str. 33 statt.

Für medizinische Notfälle wenden Sie sich bitte an unsere HNO Ambulanz (Telefon 089 4140 2390),
gegebenenfalls auch über das Notfallzentrum (Telefon 089 4140 6300).

 

Zuständige Sektionsleiter

Prof. Dr. med.
Hans-Peter Niedermeyer

Leiter Hörzentrum